ChiaroScuro DVD-Collection
Alphabetically sorted by Director's last name
Total number of titles: 1397
Last updated: 09 Feb 2007
East Germany 1949
d: Wolfgang Staudte
NDR3 TV (Region 0 de)
sc: Erwin Klein, Fritz Staudte, Wolfgang Staudte
c: Bruno Mondi (b/w)
e: Lilian Seng
pd: Willy Schiller
m: H.W. Wiemann
p: Herbert Uhlich (DEFA Deutsche Film AG)
w: Paul Esser, Irene Korb, Karl Heinz Deickert, Reinhold Bernt, Reinhard Kolldehoff, Werner Peters, Brigitte Krause, Klemens Herzberg, Albert Johannes, Hans-Erich Korbschmitt
pr: 16 Sep 1949
aw: Locarno International Film Festival 1954
c: Bruno Mondi (b/w)
e: Lilian Seng
pd: Willy Schiller
m: H.W. Wiemann
p: Herbert Uhlich (DEFA Deutsche Film AG)
w: Paul Esser, Irene Korb, Karl Heinz Deickert, Reinhold Bernt, Reinhard Kolldehoff, Werner Peters, Brigitte Krause, Klemens Herzberg, Albert Johannes, Hans-Erich Korbschmitt
pr: 16 Sep 1949
aw: Locarno International Film Festival 1954
rt: 78:36 (+4%PAL= 82) min
dvd-rl: 10 Okt 2006
ar: 1.33:1 (4:3 Academy Ratio)
sd: German MPEG-2 2.0 Mono
st: --
supp: --
dvd-rl: 10 Okt 2006
ar: 1.33:1 (4:3 Academy Ratio)
sd: German MPEG-2 2.0 Mono
st: --
supp: --
Wolfgang Staudte allerdings drehte mit „Rotation” keinen Film des staatlich verordneten Antifaschismus. „Rotation” ist im Jahr der Entstehung der DDR nicht der visuelle Gründungsmythos der „ersten sozialistischen Republik auf deutschem Boden”. Man spürt in „Rotation” noch die Freiheit der Kunst und künstlerischen Betätigung, die später so jäh beseitigt wurde. Vor allem aber spürt man Staudtes Bemühen, einige tiefere Ursachen des schrecklichen Erfolgs der Nazipartei zu suchen. ...
Das Wesentliche des Films ist die Aufdeckung von Mechanismen des „Unpolitischen” und eines „unpolitischen” Mannes, der zu spät erkennt, dass sein Verhalten weder ihm, noch seiner Familie, noch den Millionen anderen „Unpolitischen” irgend etwas Positives gebracht hat, eines Mann, dem erst ein Licht aufgeht, als ihn sein eigener Sohn verrät. Es ist dieses „Unpolitische”, das macht Staudtes Film deutlich, das wesentlich mehr zum brutalen Erfolg des NS-Regimes beigetragen hatte als alle Fanatiker und Ideologen. Das „Unpolitische” wird zum Faktor der Macht, zur Kalkulationsgröße der Machthaber, zum Spielball ihrer Interessen, zum Fundament des Todes und der Ohnmacht. Man kann die Täter verurteilen, die Opfer beklagen und die Mitwisser anprangern. Aber man sollte sehen, wie das „Unpolitische” zum entscheidenden Machtfaktor der Diktatur wird.
Das „Unpolitische” wird daher zum Politischen, der Gestus des Sich-aus-allem-Heraushalten-Wollens wird zum berechenbaren Faktor der Massenmörder. Hitler hatte dies verstanden wie kein anderer zuvor. Nur wer die Zivilcourage ausmerzt, wer das Individuum auf sich selbst, und das heißt letztlich auf eine formbare Masse zurückwirft, bezwingt auch seine politischen Gegner, so laut sie auch schreien und so „klar” sie sich auch in ihren „Positionen” sind.
Das „Unpolitische”, das Gefühl, nicht Teil des Gemeinwesens zu sein, das Gefühl, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, um sich dann unter den Bedingungen der Diktatur mit wenig zufrieden zu geben, mag sich zwar heute in anderen Formen darstellen. Es ist jedoch noch immer vorhanden. Und dies macht Staudtes Film über das konkrete Geschehen und den historischen Bezug des Streifens hinaus auch noch heute zu einem sehenswerten Film.
Paul Esser, der später in der Bundesrepublik Deutschland tätig war, spielt diesen Hans Behnke als einen Mann, dem in seiner Darstellung nicht das Verdikt anhängt, moralisch verurteilt werden zu müssen. Erst wenn man sein Verhalten versteht, so könnte man Essers Spiel verstehen, kann man auch begreifen, welche Bedeutung jeder Form von Zivilcourage zukommt.
Neben „Die Mörder sind unter uns”, „Der Untertan” und „Rosen für den Staatsanwalt” gehört „Rotation” zu Staudtes intensiver Auseinandersetzung mit den Folgen des NS-Regimes und des Krieges.
Das Wesentliche des Films ist die Aufdeckung von Mechanismen des „Unpolitischen” und eines „unpolitischen” Mannes, der zu spät erkennt, dass sein Verhalten weder ihm, noch seiner Familie, noch den Millionen anderen „Unpolitischen” irgend etwas Positives gebracht hat, eines Mann, dem erst ein Licht aufgeht, als ihn sein eigener Sohn verrät. Es ist dieses „Unpolitische”, das macht Staudtes Film deutlich, das wesentlich mehr zum brutalen Erfolg des NS-Regimes beigetragen hatte als alle Fanatiker und Ideologen. Das „Unpolitische” wird zum Faktor der Macht, zur Kalkulationsgröße der Machthaber, zum Spielball ihrer Interessen, zum Fundament des Todes und der Ohnmacht. Man kann die Täter verurteilen, die Opfer beklagen und die Mitwisser anprangern. Aber man sollte sehen, wie das „Unpolitische” zum entscheidenden Machtfaktor der Diktatur wird.
Das „Unpolitische” wird daher zum Politischen, der Gestus des Sich-aus-allem-Heraushalten-Wollens wird zum berechenbaren Faktor der Massenmörder. Hitler hatte dies verstanden wie kein anderer zuvor. Nur wer die Zivilcourage ausmerzt, wer das Individuum auf sich selbst, und das heißt letztlich auf eine formbare Masse zurückwirft, bezwingt auch seine politischen Gegner, so laut sie auch schreien und so „klar” sie sich auch in ihren „Positionen” sind.
Das „Unpolitische”, das Gefühl, nicht Teil des Gemeinwesens zu sein, das Gefühl, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, um sich dann unter den Bedingungen der Diktatur mit wenig zufrieden zu geben, mag sich zwar heute in anderen Formen darstellen. Es ist jedoch noch immer vorhanden. Und dies macht Staudtes Film über das konkrete Geschehen und den historischen Bezug des Streifens hinaus auch noch heute zu einem sehenswerten Film.
Paul Esser, der später in der Bundesrepublik Deutschland tätig war, spielt diesen Hans Behnke als einen Mann, dem in seiner Darstellung nicht das Verdikt anhängt, moralisch verurteilt werden zu müssen. Erst wenn man sein Verhalten versteht, so könnte man Essers Spiel verstehen, kann man auch begreifen, welche Bedeutung jeder Form von Zivilcourage zukommt.
Neben „Die Mörder sind unter uns”, „Der Untertan” und „Rosen für den Staatsanwalt” gehört „Rotation” zu Staudtes intensiver Auseinandersetzung mit den Folgen des NS-Regimes und des Krieges.
East Germany 1951
d: Wolfgang Staudte
Icestorm Entertainment (Region 0 de)
sc: Wolfgang Staudte, Fritz Staudte (based on the novel by Heinrich Mann)
c: Robert Baberske (b/w)
e: Johanna Rosinski
pd: Karl Schneider, Erich Zander
m: Horst Hans Siebert
p: Willi Teichmann (DEFA Deutsche Film AG (Berlin/Ost))
w: Werner Peters, Paul Esser, Friedel Nowack, Blandine Ebinger, Erich Nadler, Gertrud Bergmann, Carola Braunbock, Emmy Burg, Renate Fischer, Friedrich Maurer, Sabine Thalbach, Hannsgeorg Laubenthal, Eduard von Winterstein
pr: 31 Aug 1951
c: Robert Baberske (b/w)
e: Johanna Rosinski
pd: Karl Schneider, Erich Zander
m: Horst Hans Siebert
p: Willi Teichmann (DEFA Deutsche Film AG (Berlin/Ost))
w: Werner Peters, Paul Esser, Friedel Nowack, Blandine Ebinger, Erich Nadler, Gertrud Bergmann, Carola Braunbock, Emmy Burg, Renate Fischer, Friedrich Maurer, Sabine Thalbach, Hannsgeorg Laubenthal, Eduard von Winterstein
pr: 31 Aug 1951
rt: 104:01 (+4%PAL= 108) min
dvd-rl: 24 Sep 2002
ar: 1.33:1 (4:3 Academy Ratio)
sd: German Dolby Digital 2.0 Mono
st: --
supp: • Filmografie-Biografie von Wolfgang Staudte und Werner Peters
• AZ [Der Augenzeuge] 8/1946 Staudte, Dreharbeiten von "Die Mörder sind unter uns" (2:49 min)
• AZ 26/1946/2 Staudte, Premiere von "Die Mörder sind unter uns" (2:27 min)
• AZ 2/1954 Staudte, Premiere von "Die Geschichte vom kleinen Muck" (0:27 min)
• Szenenfotos aus dem Film
• Original Kino-Plakat
• Der „historische“ Untertan – Betrachtungen des Historikers Dr. Jürgen Angelow (15:18 min)
dvd-rl: 24 Sep 2002
ar: 1.33:1 (4:3 Academy Ratio)
sd: German Dolby Digital 2.0 Mono
st: --
supp: • Filmografie-Biografie von Wolfgang Staudte und Werner Peters
• AZ [Der Augenzeuge] 8/1946 Staudte, Dreharbeiten von "Die Mörder sind unter uns" (2:49 min)
• AZ 26/1946/2 Staudte, Premiere von "Die Mörder sind unter uns" (2:27 min)
• AZ 2/1954 Staudte, Premiere von "Die Geschichte vom kleinen Muck" (0:27 min)
• Szenenfotos aus dem Film
• Original Kino-Plakat
• Der „historische“ Untertan – Betrachtungen des Historikers Dr. Jürgen Angelow (15:18 min)
Auferstanden aus Ruinen - in rein künstlerischer Hinsicht - war die ostdeutsche Defa erheblich schneller nach dem Zweiten Weltkrieg als alle ihre westdeutschen Pendants. Während im Westen mit dem Heimatfilm 1951 endlich ein dankbarer Weg zurück zur Kommerzialisierung des Films gefunden wurde und mit ihm dann auch irgendwann das berüchtigte Wirtschaftswunder, setzte der Osten auf Inhalte und den Anschluß an das Kino der Weimarer Zeit auf der Ebene der visuellen Ästhetik - extrem verallgemeinernd gesprochen, versteht sich. "Der Untertan", nach der Romanvorlage von Heinrich Mann, zählt, obwohl er zur Oberprimaner-Pflichtvisite gediehen ist, zum Intelligentesten, filmästhetisch Ausgereiftesten und Selbstironischsten, was der deutsche Nachkriegsfilm bis heute zu bieten imstande ist. Regisseur Wolfgang Staudte, neben Helmut Käutner für 10 bis 15 Jahre die filmische Stimme des deutschen Gewissens, zeichnet die von Heinrich Mann so scharf und treffend formulierte Kritik am deutschen Untertanengeist kompromißlos in komponierte und durchdachte Bilder, von Meister Robert Baberske in bedrohliches Licht gesetzt. Staudtes Schonungslosigkeit ist ein später selten wiederholter Glücksfall, begünstigt durch die Euphorie eines jungen Sozialismus. In Westdeutschland wollte man dem Publikum "Der Untertan" erst sechs Jahre später zumuten und nörgelte an dessen "durchwegs nur zersetzender und geschichtsfälschender Tendenz" (Evangelischer Filmbeobachter) herum.
Ein weiterer Glücksfall der Verfilmung um die Lebensgeschichte von Diederich Hessling fand sich in der Besetzung der Hauptrolle. Werner Peters gelang eine solch erschreckend eindringliche Figur des Opportunisten und Bucklers Hessling, daß er fortan nicht unerheblich zum Bild des häßlichen Deutschen im internationalen Film beitrug. Für Peters, der zum festen Darstellerstamm des frühen Staudte zählte und stets durch nachhaltige Leinwandpräsenz auffiel, dürfte dieser enorme Erfolg recht zwiespältig ausgefallen sein. Zwar schob sie eine beachtliche Karriere an, doch wurde Peters zum Inbegriff des schmierigen, linkischen, feigen und widerlichen Grabschers - im deutschen wie im internationalen Film. Hessling hat Peters ein Leben lang begleitet, Hessling hat auch den deutschen Film seither begleitet, ohne je einen würdigen Nachfolger bekommen zu haben. Das spricht ohne Frage für Staudtes Werk, das wirft aber ebenso klar ein klägliches Licht auf die Mühen deutscher Filmkunst um Konsequenz in Geschichtsaufarbeitung.
— Oliver Baumgarten, Schnitt
Ein weiterer Glücksfall der Verfilmung um die Lebensgeschichte von Diederich Hessling fand sich in der Besetzung der Hauptrolle. Werner Peters gelang eine solch erschreckend eindringliche Figur des Opportunisten und Bucklers Hessling, daß er fortan nicht unerheblich zum Bild des häßlichen Deutschen im internationalen Film beitrug. Für Peters, der zum festen Darstellerstamm des frühen Staudte zählte und stets durch nachhaltige Leinwandpräsenz auffiel, dürfte dieser enorme Erfolg recht zwiespältig ausgefallen sein. Zwar schob sie eine beachtliche Karriere an, doch wurde Peters zum Inbegriff des schmierigen, linkischen, feigen und widerlichen Grabschers - im deutschen wie im internationalen Film. Hessling hat Peters ein Leben lang begleitet, Hessling hat auch den deutschen Film seither begleitet, ohne je einen würdigen Nachfolger bekommen zu haben. Das spricht ohne Frage für Staudtes Werk, das wirft aber ebenso klar ein klägliches Licht auf die Mühen deutscher Filmkunst um Konsequenz in Geschichtsaufarbeitung.
— Oliver Baumgarten, Schnitt
West Germany 1959
d: Wolfgang Staudte
Arte TV (Region 0 de)
sc: George Hurdalek (based on an idea by Wolfgang Staudte)
c: Erich Claunigk (b/w)
e: Klaus M. Eckstein
pd: Walter Haag
m: Raimund Rosenberger
p: Kurt Ulrich (Kurt Ulrich Film)
w: Walter Giller, Martin Held, Ingrid van Bergen, Camilla Spira, Werner Peters, Wolfgang Wahl, Paul Hartmann, Wolfgang Preiss, Inge Meysel, Werner Finck
pr: 24 Sep 1959
aw: German Film Awards 1960 Film Award in Silver
c: Erich Claunigk (b/w)
e: Klaus M. Eckstein
pd: Walter Haag
m: Raimund Rosenberger
p: Kurt Ulrich (Kurt Ulrich Film)
w: Walter Giller, Martin Held, Ingrid van Bergen, Camilla Spira, Werner Peters, Wolfgang Wahl, Paul Hartmann, Wolfgang Preiss, Inge Meysel, Werner Finck
pr: 24 Sep 1959
aw: German Film Awards 1960 Film Award in Silver
rt: 93:30 (+4%PAL= 98) min
dvd-rl: 05 Okt 2006
ar: 1.33:1 (4:3 Academy Ratio)
sd: German MPEG-2 2.0 Mono
st: --
supp: --
dvd-rl: 05 Okt 2006
ar: 1.33:1 (4:3 Academy Ratio)
sd: German MPEG-2 2.0 Mono
st: --
supp: --
Staudtes Film ist ein unverzerrtes Spiegelbild der deutschen Nachkriegsgesellschaft - nicht nur in Bezug auf das Hauptthema des Films. Aber was ist eigentlich dieses Hauptthema? Das Verschweigen, der Opportunismus, die Verleugnung der jüngsten Vergangenheit, Korruption, Intrige? Nun, von allem etwas. Und in diesem Etwas steckt viel an Realität jener Zeit.
Wir treffen auf einen jener - von Martin Held, einem der wohl besten Charakterdarsteller nicht nur der 50er Jahre, in allen Facetten der Person des Oberstaatsanwalts glänzend gespielten - "Überlebenden" der NS-Machtstrukturen, die es schafften, auch in der neuen Republik an geeigneter Stelle unterzukommen - wahrlich kein Einzelfall, denkt man an Globke, den Staatssekretär unter Adenauer, mit entsprechender Vergangenheit, Theodor Maunz, einen der bekanntesten Grundgesetz-Kommentatoren, oder den Staatsrechtler Carl Schmitt, der auch nach dem Krieg in höchsten Kreisen und bis heute Ansehen genießt - trotz seiner Schriften wie u.a. "Der Führer spricht Recht", in dem er den Röhm-Putsch gerechtfertigt und die politischen Morde als "höchste Form administrativer Justiz" bezeichnet hatte.
Schramm - und das zeigt die Darstellung durch Martin Held großartig - ist einer jener machtbesessenen, arroganten und elitär denkenden Egozentriker, die Begriffe wie "Vaterland, Ehre, Disziplin" immer dann im Munde führen, wenn es um das eigene Fortkommen, den eigenen Vorteil geht. Sie verklausulieren in solchen Begriffen das, was sie für sich persönlich wollen. Und es bereitet ihnen nicht nur Freude, über andere Macht auszuüben; sie sind in dieser Hinsicht geradezu sadistisch. Doch Schramm besitzt noch eine andere wichtige Eigenschaft: den Standesdünkel. Er und seinesgleichen wissen, dass all ihr Streben nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn sie es im elitären Kreis einer streng hierarchischen Ordnung "pflegen", d.h. wenn jene "Gemeinschaft" von ihresgleichen bewahrt und geschützt wird, die einzig und allein ihren Allmachtsphantasien Aussicht auf Realisierung bietet.
Gleichzeitig wird durch Helds Darstellung Schramms aber auch deutlich, wie klein, ja mickrig, ordinär, feige und kleinbürgerlich solche Menschen sind, betrachtet man sie aus nächster Nähe. Ohne den geringsten Einfluss, ohne Macht und Geld wäre Schramm ein elender Wicht.
Staudte stellt Schramm einen Mann gegenüber, der als dessen genaues Gegenteil erscheint. Kleinschmidt gilt vielen als Versager, als einer, der es zu nichts gebracht hat. Auch seine frühere Geliebte Lissy denkt so über ihn - jedenfalls anfänglich. Rudi ist ein Ruheloser, einer ohne festen Wohnsitz und ohne Heimat. Er ist nirgendwo und überall zu Hause, nur laut, wenn er seine Krawatten anpreist, sonst aber ein stiller, fast in sich gekehrter Mann ohne Ehrgeiz, ohne Ambitionen. Er will nicht einmal das Unrecht, das ihm Schramm zugefügt hat, offenbaren. Das Urteil, das er ständig bei sich trägt, ist nur eine Erinnerung - eine Erinnerung für ihn, für einen wichtigen Teil seines Lebens. Rudi kennt keine Rachsucht. Er will nichts weiter, als sein Zeug verkaufen - und er will Lissy. Doch auch das nicht um jeden Preis. Er ist bereit zu gehen, als Lissy ihm deutlich macht, das sie ihn zwar gern wiedergesehen habe, seine Mentalität aber verachte.
Und Lissy? Sie gehört zu jenen Millionen, die an das Wirtschaftswunder so fest glauben wie an die Notwendigkeit, die Vergangenheit zu verleugnen, zu vergessen oder zu verdrängen. Sie akzeptiert das "Oben" und "Unten", das System von "besseren" und "schlechteren" Leuten. Sie will nur ein bisschen vom Kuchen ab haben - ihre Pension und Wirtschaft sollen laufen. Erst sehr spät erkennt sie, was in Rudi wirklich steckt. Erst spät erkennt Rudi, dass Leute wie Schramm und alle, die hinter ihm stehen, bereit und willens sind, ihm das bisschen Existenzgrundlage auch noch zu nehmen, das er hat. Erst jetzt ist er dazu entschlossen, das aufzudecken, was nicht nur ihn persönlich betrifft, sondern Millionen anderer auch.
Staudte beschränkt sich jedoch nicht hierauf. Als Rudi den Stammtischbrüdern Kugler (Werner Peters), Bauunternehmer, Haase (Werner Finck) und Hessel (Ralf Wolter), einem Lebensmittelhändler, von dem Todesurteil erzählt, wird der ganze Opportunismus jener Jahre ruchbar. Während Hessel Frau Schramm weiter in devoter Haltung bedient, als wäre nichts geschehen, versucht Kugler Schramm mit seinem Wissen zu erpressen, um an Bauaufträge zu kommen. Und Haase? Der verfasst einen fünf Seiten langen Protestbrief, in dem er Schramm angreift - um ihn dann, statt in den Briefkasten zu werfen, zu zerreißen mit der Bemerkung:
"Also man müsste sich überlegen,
ob man nicht dem Getriebe der
Welt mit philosophischer Gelassenheit
und Verachtung gegenüberstehen
sollte. ... Ich weiß nicht, ob man
nicht lieber zu der großen Zahl der
Stillen im Lande gehören sollte."
Kleinschmidt, der angebliche Versager, aber lässt es zum Prozess gegen sich kommen. Und es ist Schramm, der in seiner ganzen Nervosität und Angst vor dem gesellschaftlichen Fall in diesem Prozess den entscheidenden Fehler macht, der die Wahrheit ans Licht bringt. Kleinschmidt aber bewahrt etwas, was Schramm nie kannte und nie kennen wird: Wahrhaftigkeit und Treue zu sich selbst.
Im übrigen sehen wir keinen etwa todernsten Film. Nein! Staudte gelingt es, besonders in der Darstellung Schramms durch Martin Held, aber auch in der Figur des Rudi Kleinschmidt durch Walter Giller immer wieder einen Sarkasmus zu zelebrieren, der dem Film insgesamt sehr gut tut. Dabei ist das Komische in der Figur des Oberstaatsanwalts zugleich das Tragische und Erbärmliche. Man kann über einen solchen Mann "eigentlich" nur lachen - obwohl man weiß, dass auch nur ein bisschen Macht solche Menschen zu Raubtieren werden lässt.
Ein wichtiger Film, der neben anderem sicherlich auch einen Beitrag dazu leistete, in den 60er Jahren endlich die Vergangenheit nicht Vergangenheit sein zu lassen, sondern sich ihr zu stellen. Darüber hinaus hat der Film in wichtigen Punkten kaum an Aktualität verloren.
— Ulrich Behrens
Wir treffen auf einen jener - von Martin Held, einem der wohl besten Charakterdarsteller nicht nur der 50er Jahre, in allen Facetten der Person des Oberstaatsanwalts glänzend gespielten - "Überlebenden" der NS-Machtstrukturen, die es schafften, auch in der neuen Republik an geeigneter Stelle unterzukommen - wahrlich kein Einzelfall, denkt man an Globke, den Staatssekretär unter Adenauer, mit entsprechender Vergangenheit, Theodor Maunz, einen der bekanntesten Grundgesetz-Kommentatoren, oder den Staatsrechtler Carl Schmitt, der auch nach dem Krieg in höchsten Kreisen und bis heute Ansehen genießt - trotz seiner Schriften wie u.a. "Der Führer spricht Recht", in dem er den Röhm-Putsch gerechtfertigt und die politischen Morde als "höchste Form administrativer Justiz" bezeichnet hatte.
Schramm - und das zeigt die Darstellung durch Martin Held großartig - ist einer jener machtbesessenen, arroganten und elitär denkenden Egozentriker, die Begriffe wie "Vaterland, Ehre, Disziplin" immer dann im Munde führen, wenn es um das eigene Fortkommen, den eigenen Vorteil geht. Sie verklausulieren in solchen Begriffen das, was sie für sich persönlich wollen. Und es bereitet ihnen nicht nur Freude, über andere Macht auszuüben; sie sind in dieser Hinsicht geradezu sadistisch. Doch Schramm besitzt noch eine andere wichtige Eigenschaft: den Standesdünkel. Er und seinesgleichen wissen, dass all ihr Streben nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn sie es im elitären Kreis einer streng hierarchischen Ordnung "pflegen", d.h. wenn jene "Gemeinschaft" von ihresgleichen bewahrt und geschützt wird, die einzig und allein ihren Allmachtsphantasien Aussicht auf Realisierung bietet.
Gleichzeitig wird durch Helds Darstellung Schramms aber auch deutlich, wie klein, ja mickrig, ordinär, feige und kleinbürgerlich solche Menschen sind, betrachtet man sie aus nächster Nähe. Ohne den geringsten Einfluss, ohne Macht und Geld wäre Schramm ein elender Wicht.
Staudte stellt Schramm einen Mann gegenüber, der als dessen genaues Gegenteil erscheint. Kleinschmidt gilt vielen als Versager, als einer, der es zu nichts gebracht hat. Auch seine frühere Geliebte Lissy denkt so über ihn - jedenfalls anfänglich. Rudi ist ein Ruheloser, einer ohne festen Wohnsitz und ohne Heimat. Er ist nirgendwo und überall zu Hause, nur laut, wenn er seine Krawatten anpreist, sonst aber ein stiller, fast in sich gekehrter Mann ohne Ehrgeiz, ohne Ambitionen. Er will nicht einmal das Unrecht, das ihm Schramm zugefügt hat, offenbaren. Das Urteil, das er ständig bei sich trägt, ist nur eine Erinnerung - eine Erinnerung für ihn, für einen wichtigen Teil seines Lebens. Rudi kennt keine Rachsucht. Er will nichts weiter, als sein Zeug verkaufen - und er will Lissy. Doch auch das nicht um jeden Preis. Er ist bereit zu gehen, als Lissy ihm deutlich macht, das sie ihn zwar gern wiedergesehen habe, seine Mentalität aber verachte.
Und Lissy? Sie gehört zu jenen Millionen, die an das Wirtschaftswunder so fest glauben wie an die Notwendigkeit, die Vergangenheit zu verleugnen, zu vergessen oder zu verdrängen. Sie akzeptiert das "Oben" und "Unten", das System von "besseren" und "schlechteren" Leuten. Sie will nur ein bisschen vom Kuchen ab haben - ihre Pension und Wirtschaft sollen laufen. Erst sehr spät erkennt sie, was in Rudi wirklich steckt. Erst spät erkennt Rudi, dass Leute wie Schramm und alle, die hinter ihm stehen, bereit und willens sind, ihm das bisschen Existenzgrundlage auch noch zu nehmen, das er hat. Erst jetzt ist er dazu entschlossen, das aufzudecken, was nicht nur ihn persönlich betrifft, sondern Millionen anderer auch.
Staudte beschränkt sich jedoch nicht hierauf. Als Rudi den Stammtischbrüdern Kugler (Werner Peters), Bauunternehmer, Haase (Werner Finck) und Hessel (Ralf Wolter), einem Lebensmittelhändler, von dem Todesurteil erzählt, wird der ganze Opportunismus jener Jahre ruchbar. Während Hessel Frau Schramm weiter in devoter Haltung bedient, als wäre nichts geschehen, versucht Kugler Schramm mit seinem Wissen zu erpressen, um an Bauaufträge zu kommen. Und Haase? Der verfasst einen fünf Seiten langen Protestbrief, in dem er Schramm angreift - um ihn dann, statt in den Briefkasten zu werfen, zu zerreißen mit der Bemerkung:
"Also man müsste sich überlegen,
ob man nicht dem Getriebe der
Welt mit philosophischer Gelassenheit
und Verachtung gegenüberstehen
sollte. ... Ich weiß nicht, ob man
nicht lieber zu der großen Zahl der
Stillen im Lande gehören sollte."
Kleinschmidt, der angebliche Versager, aber lässt es zum Prozess gegen sich kommen. Und es ist Schramm, der in seiner ganzen Nervosität und Angst vor dem gesellschaftlichen Fall in diesem Prozess den entscheidenden Fehler macht, der die Wahrheit ans Licht bringt. Kleinschmidt aber bewahrt etwas, was Schramm nie kannte und nie kennen wird: Wahrhaftigkeit und Treue zu sich selbst.
Im übrigen sehen wir keinen etwa todernsten Film. Nein! Staudte gelingt es, besonders in der Darstellung Schramms durch Martin Held, aber auch in der Figur des Rudi Kleinschmidt durch Walter Giller immer wieder einen Sarkasmus zu zelebrieren, der dem Film insgesamt sehr gut tut. Dabei ist das Komische in der Figur des Oberstaatsanwalts zugleich das Tragische und Erbärmliche. Man kann über einen solchen Mann "eigentlich" nur lachen - obwohl man weiß, dass auch nur ein bisschen Macht solche Menschen zu Raubtieren werden lässt.
Ein wichtiger Film, der neben anderem sicherlich auch einen Beitrag dazu leistete, in den 60er Jahren endlich die Vergangenheit nicht Vergangenheit sein zu lassen, sondern sich ihr zu stellen. Darüber hinaus hat der Film in wichtigen Punkten kaum an Aktualität verloren.
— Ulrich Behrens
d = director; sc = screenplay; c = cinematographer; e = editor; pd = production design / art director;
m = music score ; p = producer; w = cast; pr = premiere; aw = awards;
rt = runtime; dvd-rl = dvd release; ar = aspect ratio; sd = soundtracks; st = subtitles; supp = supplements
m = music score ; p = producer; w = cast; pr = premiere; aw = awards;
rt = runtime; dvd-rl = dvd release; ar = aspect ratio; sd = soundtracks; st = subtitles; supp = supplements


