ChiaroScuro DVD-Collection
Alphabetically sorted by Director's last name
Total number of titles: 1397
Last updated: 09 Feb 2007
Austria / Germany 2004
d: Andrzej Klamt, Ulrich Rydzewski
3sat TV (Region 0 de)
sc: Andrzej Klamt, Ulrich Rydzewski
c: Ulrich Rydzewski (Color)
m: --
p: Andrzej Klamt, Ulrich Rydzewski (Halbtotal Filmproduktion / Hektor Rydzewski Bild und Ton / Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion / Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) / 3sat)
w: Kalyna Marusjak, Mykola Marusjak, Marinella Urs, Vaclav Lanik, Gustav Obsivan, Gheorghe Pantir, Jozef Madeja, David Wider
pr: 25 Nov 2004
aw: German Camera Award 2005 Nominated Dokumentarfilm/Feature
c: Ulrich Rydzewski (Color)
m: --
p: Andrzej Klamt, Ulrich Rydzewski (Halbtotal Filmproduktion / Hektor Rydzewski Bild und Ton / Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion / Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) / 3sat)
w: Kalyna Marusjak, Mykola Marusjak, Marinella Urs, Vaclav Lanik, Gustav Obsivan, Gheorghe Pantir, Jozef Madeja, David Wider
pr: 25 Nov 2004
aw: German Camera Award 2005 Nominated Dokumentarfilm/Feature
rt: 124:20 (+4%PAL= 128) min
dvd-rl: 18 Dez 2005
ar: 1.66:1 (4:3 Letterboxed Widescreen)
sd: Ukrainian/Rumanian/Slovakian/Polish/Yiddish/Roma MPEG-2 2.0 Mono
st: German (fixed)
supp: --
dvd-rl: 18 Dez 2005
ar: 1.66:1 (4:3 Letterboxed Widescreen)
sd: Ukrainian/Rumanian/Slovakian/Polish/Yiddish/Roma MPEG-2 2.0 Mono
st: German (fixed)
supp: --
„Wenn ich einen Auftrag für einen trauernden Christus kriege, dann schnitze ich den eben . . . Die Trauer stört mich nicht, weil ich selber traurig bin.“ Sagt der Flößer Jozef, einer der vielen Helden dieses Films. Er ist in den Pieninen daheim, einem Gebirgszug der Karpaten, im Süden Polens. Fünf Länder teilen sich die 1500 Kilometer lange Gebirgskette im Herzen Europas, und ihre Regionen kommen uns bisweilen weit exotischer vor als die fernsten Länder. Drei Jahre lang haben die Filmemacher Andrzej Klamt und Ulrich Rydzewski diese Länder - Slowakei, Polen, die Ukraine, Rumänien, Ungarn - bereist, ihre Bauern und Handwerker gefilmt, ihre Wohnungen und Höfe, die Täler, Wälder, Flüsse. Der Film „Carpatia“ ist eine zärtliche Annäherung an Menschen, die ein Leben in Einsamkeit und Ver-lassenheit führen, und dazu eine ruhige Reflexion über das Bildermachen selbst, über das Verhältnis und Verhalten des Filmemachers denen gegenüber, die er filmt.
Lang stehen die Bilder in diesem Film, so dass man sich ihrer Bildhaftigkeit bewusst wird, immer wieder ist der Blick skandiert durch Rahmen und Gitter, und manchmal setzt, nach einer halben Minute, eine ganz gemächliche Parallelfahrt der Kamera ein - nicht um das Blickfeld zu erweitern, sondern um das Bild in Bewegung zu bringen. Teuer ist die Unabhängigkeit dieser Menschen erkauft. Die soziale Situation ist miserabel, es gibt wenig Arbeit und man ist von der Natur abhängig, eine Sintifamilie leidet an den Vorurteilen der Gesellschaft - in den Blicken dieser Mädchen spürt man unerhörte Traurigkeit, ihre schüchterne Schön-
heit wird nie voll erblühen. Gustav in einem Dorf der Slowakei krabbelt auf verkümmerten Füßchen durch seine Hütte - er leidet an Kinderlähmung seit dem zweiten Lebensjahr. Ich glaube nicht, dass das Glück hier auf Erden zu finden ist, meint Marietta aus Siebenbürgen. Eine Viertelstunde verbringen wir mit Familie Lankson und ihrem Unternehmen Slovakia Illuzion - der Zirkus ist ein farbiger Lichtblick in der Leere der Provinz.
„Bloß weil ich in diesen Christus schnitze, werde ich natürlich nicht in den Himmel kommen“, räsoniert Jozef. Es ist ein ziemlich abgeklärter Christus, den er da fabriziert, die Hand an den Kopf gestützt und ein resigniertes „Ich glaube, euch ist nicht mehr zu helfen ...“ im Blick. Und es ist wunderbar, Jozef bei seiner Arbeit zuzuschauen, diese gelassenen Bewegungen, mit der er der Figur das Gesicht konturiert, diese Geborgenheit, die er dabei vermittelt.
— Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung 29.12.2004
•••••
CARPATIA ist eine Liebeserklärung der Filmemacher an diese fremde Mittel- und Hochgebirgswelt und ihre Bewohner. Klamt, der unweit der Karpaten in Polen aufwuchs, und Rydzewski nähern sich der Landschaft
langsam und respektvoll. Der Rhythmus ihrer Bilder versucht, den Lebensrhythmus von Natur und Menschen in filmische Impressionen zu übersetzen. Das Ergebnis ist eigenwillig und faszinierend zugleich. Eigenwillig, weil man sich an die langen, fast statischen Einstellungen und langsamen Kamerafahrten erst wieder gewöhnen muss; faszinierend, weil die-se Bilder eine enorme Kraft entwickeln und den Zuschauer bis zum Ende der Reise nicht mehr loslassen. Die Filmemacher sind dabei sichtbar bemüht, die Eigenart der Landschaft durch filmische Mittel zu unterstreichen. Ihre Naturtableaus, zu unterschiedlichen Jahres- wie Tageszeiten aufgenommen, erstrecken sich unter einem weiten, von Wolken und Licht oft dramatisch und effektvoll ausstaffierten Himmel. Im Wechsel zu den Totalen finden sich Miniaturen wie im Wind sich wiegendes Gras oder kahle Bäume, die wie bizarre Wesen im Nebel stehen. Dennoch ist CARPATIA kein „Naturfilm", noch weniger ein belehrendes Feature. Kein Kommentar oder Offton stört seinen meditativen Charakter. Die Bilder verlieren sich nicht in jenem - oft musikalisch aufgeladenen - Pathos, das „Bergfilme" so schwer erträglich macht. Klamt und Rydzewski verzichten völlig auf Musik. Für die Geräuschkulisse bedienen sie sich einfach bei der Natur selbst: Wind und Regen, Donner und die Laute der Tiere bilden den „Soundtrack" dieser Sequenzen.
Die „Bilder aus der Mitte Europas" (Untertitel) lassen aber vor allem Men-schen zu Wort kommen, die in dieser multinationalen Landschaft leben: darunter ukrainische Huzulen, Goralen aus den polnischen Beskiden, rumänische Sinti und galizische Juden. Und diese Menschen machen deutlich, dass das Leben in der Gebirgslandschaft hauptsächlich von Entbehrungen und, immer wieder, auch von Umbrüchen geprägt ist. Die huzulischen Bauern, die „Freiheit und die frische Luft" dem Stadtleben vorziehen, erzählen von harten Wintern und hungrigen Wölfen. Galizische Juden berichten vom Untergang ihrer einstmals blühenden Kultur. Die Rote Armee habe sie im Stich gelassen, nach ihrem Abzug hätten sich die nicht-jüdischen Nachbarn - in Erwartung der Deutschen - die Besitztümer der Juden gewaltsam angeeignet. Hitler, so ein Rabbi, habe die galizischen Juden „körperlich ermordet". Die „geistige Vernichtung" hätten später die Sowjets vollendet. Das Jiddische und das Hebräische seien als Sprache in dieser Gegend weitgehend verschwunden, ebenso jüdische Tradition und Lebensart. Die Synagoge von Kolomyja, so befürchtet ein alter Mann, werde wohl in einen Jugendclub umgewandelt - wenn die letzten Gläubigen verschwunden sind.
Es sind nicht nur die langen Schatten der Geschichte, die auf dieser Landschaft liegen. Es kündigen sich neue Bedrohungen an. Im rumänischen Transsilvanien haben die dort sesshaften Sinti neben der Diskriminierung als Volksgruppe auch verschärfte Armut zu erdulden, weil die Privatisierung ehemals staatlicher Einrichtungen Arbeitsplätze vernichtet. Auch in den rumänischen Westkarpaten wird die neue Zeit gravierende Spuren hinterlassen. Tiefe Wunden hat eine Goldmine, die im Tagebau ausgebeutet wird, bereits hinterlassen. Nun müssen den Expansionsgelüsten westlicher Investoren weitere menschliche Siedlungen weichen, die Entwurzelung der Bevölkerung schreitet voran.
Andrzej Klamt, dessen Dokumentarfilm VERZEIHUNG, ICH LEBE von der Jury der Evangelischen Filmarbeit zum „Film des Jahres 2000" gewählt wurde, und Ulrich Rydzewski, der mit Klamt unter anderem den preisgekrönten Dokumentarfilm PELYM (1996-1998) realisierte, erweitern mit ihrem CARPATIA-Projekt nicht nur unseren geographischen und kulturellen Horizont. Ihr eindrucksvoller Film ist auch ein Beleg dafür, welche Intensität und Aussagekraft dokumentarische Bilder haben können - wenn man ihnen, jenseits aller Quotenhektik und TV-Geschwätzigkeit, Möglichkeiten zu ihrer Entfaltung bietet.
— Raimund Gerz, epd Film 12/2004
Lang stehen die Bilder in diesem Film, so dass man sich ihrer Bildhaftigkeit bewusst wird, immer wieder ist der Blick skandiert durch Rahmen und Gitter, und manchmal setzt, nach einer halben Minute, eine ganz gemächliche Parallelfahrt der Kamera ein - nicht um das Blickfeld zu erweitern, sondern um das Bild in Bewegung zu bringen. Teuer ist die Unabhängigkeit dieser Menschen erkauft. Die soziale Situation ist miserabel, es gibt wenig Arbeit und man ist von der Natur abhängig, eine Sintifamilie leidet an den Vorurteilen der Gesellschaft - in den Blicken dieser Mädchen spürt man unerhörte Traurigkeit, ihre schüchterne Schön-
heit wird nie voll erblühen. Gustav in einem Dorf der Slowakei krabbelt auf verkümmerten Füßchen durch seine Hütte - er leidet an Kinderlähmung seit dem zweiten Lebensjahr. Ich glaube nicht, dass das Glück hier auf Erden zu finden ist, meint Marietta aus Siebenbürgen. Eine Viertelstunde verbringen wir mit Familie Lankson und ihrem Unternehmen Slovakia Illuzion - der Zirkus ist ein farbiger Lichtblick in der Leere der Provinz.
„Bloß weil ich in diesen Christus schnitze, werde ich natürlich nicht in den Himmel kommen“, räsoniert Jozef. Es ist ein ziemlich abgeklärter Christus, den er da fabriziert, die Hand an den Kopf gestützt und ein resigniertes „Ich glaube, euch ist nicht mehr zu helfen ...“ im Blick. Und es ist wunderbar, Jozef bei seiner Arbeit zuzuschauen, diese gelassenen Bewegungen, mit der er der Figur das Gesicht konturiert, diese Geborgenheit, die er dabei vermittelt.
— Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung 29.12.2004
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CARPATIA ist eine Liebeserklärung der Filmemacher an diese fremde Mittel- und Hochgebirgswelt und ihre Bewohner. Klamt, der unweit der Karpaten in Polen aufwuchs, und Rydzewski nähern sich der Landschaft
langsam und respektvoll. Der Rhythmus ihrer Bilder versucht, den Lebensrhythmus von Natur und Menschen in filmische Impressionen zu übersetzen. Das Ergebnis ist eigenwillig und faszinierend zugleich. Eigenwillig, weil man sich an die langen, fast statischen Einstellungen und langsamen Kamerafahrten erst wieder gewöhnen muss; faszinierend, weil die-se Bilder eine enorme Kraft entwickeln und den Zuschauer bis zum Ende der Reise nicht mehr loslassen. Die Filmemacher sind dabei sichtbar bemüht, die Eigenart der Landschaft durch filmische Mittel zu unterstreichen. Ihre Naturtableaus, zu unterschiedlichen Jahres- wie Tageszeiten aufgenommen, erstrecken sich unter einem weiten, von Wolken und Licht oft dramatisch und effektvoll ausstaffierten Himmel. Im Wechsel zu den Totalen finden sich Miniaturen wie im Wind sich wiegendes Gras oder kahle Bäume, die wie bizarre Wesen im Nebel stehen. Dennoch ist CARPATIA kein „Naturfilm", noch weniger ein belehrendes Feature. Kein Kommentar oder Offton stört seinen meditativen Charakter. Die Bilder verlieren sich nicht in jenem - oft musikalisch aufgeladenen - Pathos, das „Bergfilme" so schwer erträglich macht. Klamt und Rydzewski verzichten völlig auf Musik. Für die Geräuschkulisse bedienen sie sich einfach bei der Natur selbst: Wind und Regen, Donner und die Laute der Tiere bilden den „Soundtrack" dieser Sequenzen.
Die „Bilder aus der Mitte Europas" (Untertitel) lassen aber vor allem Men-schen zu Wort kommen, die in dieser multinationalen Landschaft leben: darunter ukrainische Huzulen, Goralen aus den polnischen Beskiden, rumänische Sinti und galizische Juden. Und diese Menschen machen deutlich, dass das Leben in der Gebirgslandschaft hauptsächlich von Entbehrungen und, immer wieder, auch von Umbrüchen geprägt ist. Die huzulischen Bauern, die „Freiheit und die frische Luft" dem Stadtleben vorziehen, erzählen von harten Wintern und hungrigen Wölfen. Galizische Juden berichten vom Untergang ihrer einstmals blühenden Kultur. Die Rote Armee habe sie im Stich gelassen, nach ihrem Abzug hätten sich die nicht-jüdischen Nachbarn - in Erwartung der Deutschen - die Besitztümer der Juden gewaltsam angeeignet. Hitler, so ein Rabbi, habe die galizischen Juden „körperlich ermordet". Die „geistige Vernichtung" hätten später die Sowjets vollendet. Das Jiddische und das Hebräische seien als Sprache in dieser Gegend weitgehend verschwunden, ebenso jüdische Tradition und Lebensart. Die Synagoge von Kolomyja, so befürchtet ein alter Mann, werde wohl in einen Jugendclub umgewandelt - wenn die letzten Gläubigen verschwunden sind.
Es sind nicht nur die langen Schatten der Geschichte, die auf dieser Landschaft liegen. Es kündigen sich neue Bedrohungen an. Im rumänischen Transsilvanien haben die dort sesshaften Sinti neben der Diskriminierung als Volksgruppe auch verschärfte Armut zu erdulden, weil die Privatisierung ehemals staatlicher Einrichtungen Arbeitsplätze vernichtet. Auch in den rumänischen Westkarpaten wird die neue Zeit gravierende Spuren hinterlassen. Tiefe Wunden hat eine Goldmine, die im Tagebau ausgebeutet wird, bereits hinterlassen. Nun müssen den Expansionsgelüsten westlicher Investoren weitere menschliche Siedlungen weichen, die Entwurzelung der Bevölkerung schreitet voran.
Andrzej Klamt, dessen Dokumentarfilm VERZEIHUNG, ICH LEBE von der Jury der Evangelischen Filmarbeit zum „Film des Jahres 2000" gewählt wurde, und Ulrich Rydzewski, der mit Klamt unter anderem den preisgekrönten Dokumentarfilm PELYM (1996-1998) realisierte, erweitern mit ihrem CARPATIA-Projekt nicht nur unseren geographischen und kulturellen Horizont. Ihr eindrucksvoller Film ist auch ein Beleg dafür, welche Intensität und Aussagekraft dokumentarische Bilder haben können - wenn man ihnen, jenseits aller Quotenhektik und TV-Geschwätzigkeit, Möglichkeiten zu ihrer Entfaltung bietet.
— Raimund Gerz, epd Film 12/2004
d = director; sc = screenplay; c = cinematographer; e = editor; pd = production design / art director;
m = music score ; p = producer; w = cast; pr = premiere; aw = awards;
rt = runtime; dvd-rl = dvd release; ar = aspect ratio; sd = soundtracks; st = subtitles; supp = supplements
m = music score ; p = producer; w = cast; pr = premiere; aw = awards;
rt = runtime; dvd-rl = dvd release; ar = aspect ratio; sd = soundtracks; st = subtitles; supp = supplements
